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Wenn es uns die Sprache verschlägt aus ORTHOpress
Wenn es uns die Sprache verschlägt:
Sprach- und Stimmstörungen
Über die Sprache verläuft ein wesentlicher Teil der Kommunikation zwischen uns Menschen. Das Erlernen von Sprache ist ein schwieriger und langwieriger Prozess, der nur gelingt, wenn viele Bedingungen erfüllt sind. Unterschiedliche Organsysteme wie Gehirn, Atmung, Kiefer, Zunge, Kehlkopf und Stimmbänder sowie eine Vielzahl von Muskeln müssen exakt und reibungslos auf verschiedenen Ebenen miteinander zusammenarbeiten, denn Stimmlippen- und Sprechbewegungen zählen zu den kompliziertesten Bewegungen, zu denen Menschen fähig sind. Stimme und Sprache sind daher immer auch wesentliche Charakteristika der individuellen Persönlichkeit. Nicht zu Unrecht haben Stimme und Stimmung den gleichen Wortstamm.
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Dieses hochkomplexe Zusammenspiel so vieler Faktoren ist natürlich immer auch anfällig für Störungen. Unterscheiden kann man Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen. Unter Sprachstörung versteht man den Verlust der Fähigkeit, Begriffe in Wort oder Schrift umzusetzen und/oder Gesprochenes oder Geschriebenes begrifflich erfassen zu können. Es gibt Sprachentwicklungsstörungen, die bereits im Kindesalter auftreten. Sie können sowohl isoliert als auch mit anderen Störungen in Kombination auftreten. Von sekundären Sprachentwicklungsstörungen spricht man, wenn z. B. eine Schwerhörigkeit Ursache der mangelnden Sprachentwicklung ist. Erworbene Sprachstörungen (Aphasien) sind immer zentrale Störungen, das heißt, sie werden durch Läsionen des Sprachzentrums im Gehirn verursacht. Am häufigsten treten sie auf bei Hirndurchblutungsstörungen oder Hirnblutungen, z. B. nach Schlaganfällen. Eine Stimmstörung kann sich äußern durch:
Heiserkeit, vom vorübergehen-den Stimmversagen bis zur Stimmlosigkeit
Verminderte Belastbarkeit der Stimme bzw. schnelle Stimmermüdung
Falsche Stimmlage oder ungünstige Lautstärke
Missempfindung in Hals und Kehlkopf (Kloßgefühl)
Husten und Räusperzwang
Sprachverlust hat viele Formen
Man unterscheidet mehrere Formen der Sprachstörung. Von einer motorischen Sprachstörung oder Broca-Aphasie spricht man, wenn das aktive Erzeugen von Sprache gestört ist. Betroffene verändern Worte, z. B. lassen Silben aus oder verdrehen Buchstaben, haben Schwierigkeiten, grammatikalisch korrekte Sätze zu formulieren, und bedienen sich häufig eines kurzen Telegrammstils, in dem die Wörter ihrer Wichtigkeit nach angeordnet sind und nicht den Satzbauregeln folgen. Bei der Wernicke oder sensorischen Aphasie ist die Sprachfähigkeit meist erhalten, aber das Sprachverständnis erheblich gestört. Das bedeutet, dass Betroffene oft auch von einfachen Wörtern den Sinn nicht mehr erfassen können. Von einer amnestischen Aphasie spricht man, wenn Wortfindungsstörungen vorliegen. Das Phänomen, das wohl jeder von uns ab und zu kennt, dass einem ein gesuchter Begriff im Moment nicht einfällt, ist bei Patienten mit amnestischer Aphasie eher Regel als Ausnahme. Die schwerste Form der Sprachstörung bezeichnet man als globale Aphasie. Sowohl Sprachverständnis als auch Sprachproduktion sind massiv beeinträchtigt. Häufig kann man aus der Art der Sprachstörung auf den Sitz der Hirnläsion schließen. Allerdings gibt es auch viele Mischbilder, die eine genaue Lokalisation nicht erlauben.
Lautbildungs- und Redeflussstörungen
Von Sprechstörung oder Sprechfehler spricht man, wenn die motorische Erzeugung von Lauten gestört ist. Dabei werden im Wesentlichen zwei Gruppen unterschieden: Lautbildungs- und Redeflussstörungen. Die bekannteste Lautbildungsstörung ist wohl das sogenannte Lispeln, der Sigmatismus. Häufige Redeflussstörungen sind Stottern und Poltern. Beim Stottern werden Laute oder Silben unfreiwillig mehrfach wiederholt, gedehnt oder es tritt eine Blockade auf, die das Weitersprechen für eine gewisse Zeit verunmöglicht. Beim Poltern werden Laute, Silben oder ganze Wörter ausgelassen bzw. zusammengezogen bei meist erhöhter Sprechgeschwindigkeit, sodass die Sprache zum Teil erheblich unverständlich wird.
Stimmstörungen haben viele Ursachen
Im Gegensatz zu Sprach- und Sprechstörungen beruhen Stimmstörungen auf Veränderungen oder Funktionsstörungen der stimmbildenden Organe vor allem der Stimmlippen und des Kehlkopfes. Typisches Kennzeichen ist eine heisere Stimme. Die Ursachen dafür können sehr vielfältig sein. Meist verschwindet eine Heiserkeit nach ein paar Tagen Stimmschonung von alleine. Bleibt sie allerdings länger als drei Wochen bestehen, sollte sie auf jeden Fall abgeklärt werden. Man unterscheidet organische und funktionelle Ursachen. Organisch kann eine Stimmstörung auf Entzündungen, Stimmbandlähmung, Schilddrüsenvergrößerung, Tumoren oder den sogenannten Sängerknötchen beruhen. Häufiger sind funktionelle Stimmstörungen, bei denen sich keine anatomischen Veränderungen im Kehlkopfbereich nachweisen lassen. Sie können auftreten aufgrund von Überlastung, falschem Stimmgebrauch oder psychogen begründet (etwas schnürt einem die Kehle zu). Von einer hyperfunktionellen Störung spricht man, wenn zum Sprechen eine erhöhte Kraftanstrengung bzw. ein erhöhter Druck eingesetzt wird. Dabei knallen die Stimmlippen regelrecht aneinander. Als hypofunktionell bezeichnet man eine Störung, wenn die Spannung vermindert – kraftlos – ist, sodass die Stimmlippen nicht richtig schließen und die Stimme wie behaucht klingt. Allerdings liegen manchmal auch Mischformen vor oder die eine Form geht im Laufe der Zeit in die andere über. So entstehen die typischen Sängerknötchen erst dann, wenn die Stimmlippen über eine längere Zeit funktionell falsch belastet wurden.
Logopädische Therapie immer sinnvoll
Sowohl Sprach- und Sprech- als auch Stimmstörungen sind Indikationen für eine entsprechende logopädische Therapie. Bei einer Sprachstörung nach einem Schlaganfall kann z. B. mithilfe der Logopädie die Kommunikationsfähigkeit wiedererlangt werden. Sprechfehler wie Lispeln lassen sich auch noch im Erwachsenenalter beheben und manchmal eröffnen sich dadurch ganz neue Lebensperspektiven. Bei einer logopädischen Stimmtherapie werden die Zusammenhänge zwischen Haltung, Atmung, Bewegung und Stimmung vermittelt. Durch gezielte Übungen werden ungünstige Stimmmuster abtrainiert und die Leistungsfähigkeit der Stimme wieder erhöht. Allerdings, eine logopädische Therapie ist umso erfolgreicher, je intensiver die Mitarbeit der Patienten ist. Gelingt es, Sprachfähigkeit wiederzuerlangen oder falsche Stimmgewohnheiten zu überwinden, so hat dies meist auch positive Folgen für die allgemeinen Lebensgewohnheiten, denn die Stimme ist ja immer auch Ausdruck der Stimmung und umgekehrt.
Sigrid Eberle
Osteopath Düsseldorf in den Bundesweiten Branchen
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