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Stress und seine Auswirkungen aus ORTHOpress
Lebenswichtig und doch gefährlich
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Der Stress und seine Auswirkungen
Als in England vor einigen Jahren ein wichtiges Fußballspiel im Fernsehen übertragen wurde, konnte man an diesem Tag eine deutliche Zunahme der Herzinfarkte feststellen. Wie war es möglich, dass Menschen, die nichts anderes „taten“, als vor ihren Bildschirmen zu sitzen, offenbar recht erheblichen körperlichen Belastungen ausgesetzt waren und so sehr litten, dass ihre Gesundheit dadurch Schaden nahm? Die Antwort steht in Zusammenhang mit einem Phänomen, das in der Mitte des letzten Jahrhunderts entdeckt wurde und sich in unserer Alltagssprache inzwischen einen Stammplatz erobert hat: Stress.
Stress spielt im Leben der Menschen und Tiere eine entscheidende Rolle. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet ursprünglich Druck, Belastung oder Spannung. In der modernen Medizin versteht man darunter eine gezielte Reaktionsweise des Organismus, um auf unterschiedlichste Reize schnell und angemessen zu reagieren. Dabei können sowohl negative Auslöser wie z. B. ein knurrender Hund als auch positive Ereignisse wie ein Lottogewinn eine auslösende Rolle spielen.
Die allgemeine Mobilmachung des Körpers in Sekundenfrist
Wie wirken solche Stressfaktoren auf unseren Körper ein? Zunächst werden die Stressreize von unseren Sinnesorganen über Nervenbahnen ins Gehirn gemeldet. Der Hypothalamus – ein Teil des Zwischenhirns, der hauptsächlich vegetativ-regulierende Funktionen ausübt – aktiviert daraufhin den Sympathikus und die Hypophyse (Hirnanhangdrüse). Dadurch wird im Nebennierenmark die Ausscheidung von Adrenalin und Noradrenalin veranlasst. Die Hypophyse produziert das so genannte adrenocorticotrope Hormon (ACTH). Dieses sorgt dafür, dass von der Nebennierenrinde Korticoidhormone ins Blut ausgeschüttet werden. Auf diese Weise wird im gesamten Körper eine Art allgemeine Mobilmachung hervorgerufen:
- Die Blutzufuhr zu den Muskeln wird verstärkt.
- Ein vermehrter Abbau von Glykogen zu Glucose in der Leber führt zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels.
- Herzfrequenz und Blutdruck steigen an.
- Die Blutgerinnungsfähigkeit wird erhöht.
- Die Aktivität der Verdauungsorgane und Sexualhormone wird herabgesetzt.
- Die Immunabwehr wird geschwächt.
- Damit reflexartig ablaufende Kampf- und Fluchtreaktionen nicht verzögert und beeinträchtigt werden, wird die Fähigkeit, rational zu denken, reduziert oder sogar blockiert.
Stress ist grundsätzlich ein äußerst sinnvoller, lebensnotwendiger Mechanismus, der unserem Körper kurzfristig die nötigen Energien bereitstellt, um sich gegen Gefahren und Herausforderungen zu wappnen. Ziel ist ein Höchstmaß an Spannung und Konzentration. Das hängt damit zusammen, dass die Menschen in der freien Natur jahrtausendelang gegen die schlimmsten Gefahren ausgerüstet sein mussten. Dabei kam es zum Überleben oft nur auf Bruchteile von Sekunden an.
Stress ist gefährlich, wenn Blockaden entstehen
Eine ungesunde Wirkung hatte der Stress damals nicht. Denn die im Körper bereitgestellten Energien wurden in der Regel im Kampf oder auf der Flucht wieder abgebaut und erzeugten keine „Nebenwirkungen“. Das ist heute anders. Das moderne Leben kennt nur wenige unmittelbare Gefahren für Leib und Leben, dafür umso mehr chronische Belastungen, auf die wir kaum adäquat reagieren können. Ein typisches Beispiel liefert der Autoverkehr. Wer längere Zeit im Stau steckt, ist in der Regel äußerst angespannt und würde vielleicht vor Wut am liebsten seinen Vordermann verhauen oder einfach schreien und weglaufen. Doch obwohl alles in ihm darauf eingestellt ist, in Aktion zu treten, bleibt ihm meistens nichts übrig, als sitzen zu bleiben und sich abwechselnd zu ärgern und zu verzweifeln. Das hat auf Dauer fatale Folgen. Denn der Organismus befindet sich langfristig in einer ähnlichen Situation wie eine Lokomotive im Stand, deren Kessel immer wieder aufgeheizt und einem zunehmend höheren Druck ausgesetzt wird. Es wäre also falsch, Stress einfach mit Anstrengung gleichzusetzen. Wer zum Bahnhof läuft, um seinen Zug nicht zu verpassen, hat zwar auch Stress – das ist in diesem Fall aber nicht ungesund, denn die freigesetzten Energien – z. B. der Traubenzucker, der in den Muskeln bereitgestellt wird – werden durch die Bewegung wieder abgebaut. Man muss daher zwischen positivem und negativem Stress unterscheiden.
Verschiedene Stresstypen reagieren jeweils unterschiedlich
Jeder Mensch reagiert übrigens anders auf Stress. Die Medizin unterscheidet zwei „Stresstypen“: Während der Sympathikotoniker auf belastende Reize mit einer erhöhten Alarmbereitschaft reagiert, schaltet der Vagotoniker auf „Sparflamme“ und wird nach außen hin ruhiger. Dementsprechend unterschiedlich sind die Krankheitsbilder, unter denen die beiden Typen leiden. So neigt der Sympathikotoniker eher zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen, der Vagotoniker dagegen zu Krankheiten des Verdauungssystems wie Verstopfung, Diarrhöe oder Magen- und Darmgeschwüre.
Ein verbesserter Umgang mit Stress kann erlernt werden
Die meisten Menschen besitzen ein mehr oder weniger ausgeprägtes Körperverhalten, um auf Stress zu reagieren. Bei dem einen „schlägt“ der Ärger auf das Herz, bei dem anderen auf den Magen. Oft sind es nur geringe Anlässe, die einen Menschen in einen Alarmzustand versetzen können und seinen Körper in unverhältnismäßig heftiger Form reagieren lassen. Es ist dann so, als wenn beständig mit Kanonen auf Spatzen geschossen würde. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Therapieformen wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelrelaxation, durch die man den Auswüchsen des Stressmechanismus entgegenwirken kann. Dabei steht das Ziel im Vordergrund, Körper und Seele dazu zu verhelfen, ihre eingefahrenen Reaktionsweisen zu „vergessen“, und ihnen die Gelegenheit zu geben, sich den Herausforderungen auf eine sanftere, ökonomischere Art zu stellen.
von Klaus Bingler
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