Reiseimpfungen aus ORTHOpress
Reiseimpfungen aus ORTHOpress
Andenken, die keiner will
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Wie (Reise-) Impfungen uns schützen können
Neben einigen Andenken für ihre Kinder brachte Carla Süntner (54) mehr aus ihrem Urlaub mit, als sie zunächst ahnte. „Wir hatten einen tollen Urlaub in Ostafrika, Tansania, verbracht, viel erlebt und viel gesehen. Als wir nach Hause kamen, fühlte ich mich erschöpft und hatte ein wenig Fieber, aber das schob ich zum einen auf die lange Rückreise und zum anderen auf die Klimaanlage im Flugzeug, wo ich doch etwas gefroren hatte“, erinnert sie sich heute. Doch als das Fieber weiter steigt und quälende Kopf- und Gliederschmerzen sowie starke Übelkeit hinzukommen, wird klar, dass ein Arztbesuch erforderlich ist. Dieser diagnostiziert Gelbfieber und überweist Frau Süntner sofort in die nächstgelegene Tropenklinik. Dort wird sie umgehend von Fachärzten behandelt und kann schließlich nach zwei Wochen das Krankenhaus verlassen. Doch der Schock sitzt tief: „An alle möglichen Gefahren habe ich vor der Reise gedacht, doch nicht, dass ich mich irgendwo mit einer Krankheit anstecken könnte.“
Was früher noch als exotisch galt, ist heute bereits Normalität. Fernreisen nach Afrika, Südamerika und Asien werden immer beliebter, das Angebot ist groß. Doch viele Urlauber vergessen über die Vorfreude auf den anstehenden Urlaub den nötigen Impfschutz, der auf das Reiseziel abgestimmt sein sollte. Häufig resultiert diese Einstellung auch aus der Art der Fernreise, die durchgeführt wird. Die durchorganisierten, häufig in so genannten Resorts verbrachten Urlaube vermitteln das Gefühl, dass dieProbleme und Gefahren des Reiselandes außen vor bleiben – was jedoch nicht der Fall ist.
Auch Viren gehen auf Reise
Einmal davon abgesehen, dass jeder Fernreisende seine eigene Gesundheit schützen sollte, besteht durch die fortschreitende Globalisierung die Gefahr, dass Krankheitserreger über die Länder- und Kontinentgrenzen hinaus in Umlauf gebracht werden. Werden Infektionskrankheiten quasi per Flugzeug eingeschleppt, können sie theoretisch auch in Deutschland ausbrechen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, sind Schutzimpfungen, abgestimmt auf das jeweilige Reiseziel, vor Antritt des Auslandsaufenthaltes sinnvoll.
Schutzschild unseres Körpers
Dringen Fremdkörper (Antigene) in unseren Organismus ein, versucht unser Immunsystem diese abzuwehren, in den meisten Fällen mit Erfolg. Die Immunreaktion verläuft dabei phasenweise.Zunächst findet die unspezifische Immunreaktion statt. Sie ist eine Art allgemeines Abwehrprogramm, um eindringende Stoffe oder Mikroorganismen zu bekämpfen. So werden alle Fremdstoffe entweder durch Fresszellen (Makrophagen und Granulozyten) oder durch natürliche Killerzellen unschädlich gemacht. Auch abgestorbene und infizierte Körperzellen werden beseitigt. Ein Lernprozess findet in dieser Phase jedoch noch nicht statt. Dieser beginnt erst mit der spezifischen Immunreaktion. Sie richtet_sich gegen bestimmte, bereits identifizierte Eindringlinge. Dabei bildet sich einImmungedächtnis aus, welches im Laufe des Lebens immer dann dazulernt, wenn es sich mit Krankheitserregern ausei-nandersetzen muss. Hierfür speichern die so genannten T- und B-Gedächtniszellen Informationen über die Antigene ab, um bei einem neuerlichen Kontakt mit einer schnelleren Immunabwehr reagieren zu können. Dieser Gedächtnisspeicher kommt uns auch bei Impfungen (korrekterweise: Immunisierungen) zugute.
Lernen für den Notfall
Eine Impfung hilft potenziell tödlich verlaufende Krankheiten zu vermeiden, indem der Körper entweder dazu angeregt wird, schützende Antikörper zu bilden (aktive Impfung), oder Antikörper mittels einer Spritze erhält (passive Impfung). Bei einer aktiven Impfung werden abgeschwächte Erreger verwendet, welche die entsprechende Krankheit jedoch nicht mehr auslösen können. Nichtsdestotrotz wird der Körper zur Bildung von Antikörpern angeregt. Im Falle einer Infektion kann das Immunsystem innerhalb kürzester Zeit reagieren und so den Organismus vor einer schweren Infektion schützen.
Im Notfall wird das Immunsystem unterstützt
Es gibt einige Krankheiten, gegen die nicht standardmäßig geimpft wird. In diesen Fällen ist es möglich, im Notfall direkt die benötigten Antikörper zu spritzen. Die Tollwut zählt z. B. zu den Krankheiten, bei denen dieses Verfahren angewendet wird. Eine passive Impfung hat jedoch den Nachteil, dass sich die Impfung, bestehend aus Antikörpern, nach und nach abbaut und kein Immungedächtnis aufgebaut werden kann! Aus diesem Grund findet in der Praxis häufig die so genannte Simultan-impfung statt. Sie enthält neben den Antikörpern auch die Erreger, so dass zusätzlich zum Sofortschutz auch ein Immungedächtnis aufgebaut wird. Reiseimpfungen: So manche Kasse zahlt jetzt!Schutzimpfungen für private Reisen wurden bislang nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Impfungen gegen Hepatitis A und B, Tollwut oder Gelbfieber sind jedoch für manchen Reisenden unbedingt zu empfehlen. Erfreulich, dass einige Krankenkassen die Impfungen nun in ihren Leistungskatalog aufgenommen haben und andere Kassen folgen wollen. Wenn Sie also eine Impfung benötigen, informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, ob diese die mitunter nicht unerheblichen Kosten übernimmt.
Impfung – ja oder nein?
Impfungen werden bereits seit dem 18. Jahrhundert durchgeführt und werden von der WHO (World Health Organization) nachdrücklich empfohlen. Standard-Impfungen im deutschen Raum sind unter anderem Tetanus, Diphtherie und Polio sowie Röteln und Masern. Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland hingegen nicht, so dass jeder für sich selbst bzw. bei Kindern deren Eltern entscheiden müssen, ob eine Impfung durchgeführt werden soll oder nicht. Kritiker von Impfungen begründen diese Haltung damit, dass das Immunsystem des Menschen effektiver aufgebaut werden kann, wenn es sich direkt mit verschiedenen Erkrankungen, z. B. Kinderkrankheiten, auseinandersetzen muss. Auch sei der Nestschutz von Säuglingen in den ersten Monaten nur gewährleistet, wenn die Mutter selbst Kinderkrankheiten durchlebt habe. Eine geimpfte Mutter könne keinen Immunschutz während der Schwangerschaft bzw. später über das Stillen aufbauen. Das Argument der möglichen Nebenwirkungen muss allerdings eher skeptisch betrachtet werden. Es gilt, zwischen _einer Impfreaktion, etwa leichte Schwellungen oder Fieber, und einer möglichen Impfkomplikation wie z. B. dem anaphylaktischen Schock oder einer Unverträglichkeit von Nebenzusätzen (Eiweiß, Antibiotika) zu unterscheiden. Betrachtet man die Historie von Impfungen, so ist deutlich festzustellen, dass die Nebenwirkungen sehr gering ausfallen, im Gegensatz zu den Folgen der Krankheiten, gegen die geimpft wird. Impfungen können also Leben retten; aus diesem Grund ist eine Beratung durch den Hausarzt wichtig und sinnvoll, nicht nur wenn eine Reise ansteht.
von Simone Ernst
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