Knorpelschwund-Kniegelenk
Knorpelschwund-Kniegelenk
Urlaub für das Kniegelenk
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Den Knorpelschwund frühzeitig bekämpfen
Wer an „Urlaub“ im Zusammenhang mit seiner Gesundheit denkt, der hat in den seltensten Fällen die Kniegelenke im Sinn. Aber nicht nur Herz und Kreislauf danken die richtige Behandlung: Ob unsere Knie nur einen Kurzurlaub benötigen oder eine längere Auszeit, entscheiden viele Faktoren.
Nur wenige Menschen bekommen im Laufe ihres Lebens niemals Probleme mit ihren Gelenken: Entweder weil sie die Auswirkungen des natürlichen Verschleißes nicht mehr erleben oder aufgrund einer besonders guten Konstitution, gepaart mit einer gesunden Lebensweise. Häufig ist aber auch diese kein Garant für eine lebenslang störungsfreie Funktion. Zum anderen üben wir zunehmend Tätigkeiten aus, die unsere Gelenke oder zumindest Teile davon einseitig belasten. Auch werden Hochleistungs- und Extremsportarten immer beliebter. Es ist ein Zusammenspiel von vielen Faktoren, von denen wir vielleicht noch nicht einmal alle kennen. Aber welcher Teil der Gelenke ist es, der dem größten Verschleiß unterworfen ist?
Hohes Lebensalter und einseitige Belastung
Besonders anfällig für Beschädigungen ist der Gelenkknorpel. Im günstigsten Fall ist er prall und elastisch – dann kann er seine Aufgaben am besten erfüllen. Er ist nicht nur Stoßdämpfer des Gelenks, sondern sorgt mit seiner glatten, porenlosen Oberfläche auch dafür, dass die Gelenkbewegung praktisch völlig reibungslos verläuft. Durch verschiedene Umstände kann es jedoch zu einem Rückgang oder gar stellenweise zu einem völligen Fehlen des Gelenkknorpels kommen. Dann ist die natürliche Funktion nicht mehr gewährleistet. Im Endstadium der Arthrose reibt schließlich Knochen auf Knochen. Das Gelenk lässt sich dann nicht mehr schmerzfrei bewegen, und oft lassen auch in Ruhe die Beschwerden nicht nach.
Künstliche Gelenkschmiere kann helfen
Die Schmerzen haben gleich mehrere Ursachen: Zum einen ist die Gelenkoberfläche nicht mehr glatt. Jede weitere Bewegung reißt unweigerlich weitere mikroskopische Knorpelteilchen aus der Oberfläche heraus, welche dann im Gelenk frei herumwandern. Die Folge ist eine immer schlechtere Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen, weil die Gelenkinnenhaut durch den entstehenden Entzündungsprozess häufig nicht mehr in der Lage ist, die wichtige Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere) in ausreichender Menge und Qualität zu produzieren. Glücklicherweise kann man diesem Zustand heute durch moderne Hyaluronsäurepräparate entgegenwirken. Diese können direkt in das Kniegelenk injiziert werden und sind der menschlichen Synovialflüssigkeit nachempfunden. Sie verbessern aktiv die Ernährungssituation im Gelenk, insbesondere aber die Gleitfähigkeit. So lässt sich auch ein bereits stark arthrotisches Gelenk häufig wieder schmerzfrei bewegen. Die Wirkung einer Behandlungsserie (meist drei Injektionen im Abstand von drei bis vier Wochen) hält oft über einen längeren Zeit-raum hinweg an und kann bei Bedarf wiederholt werden.
Tipps für den Alltag: Ohne Eigeninitiative geht es nicht
Gerade wenn Sie unter Knieproblemen leiden, sollten Sie nicht auf sportliche Aktivitäten verzichten. Denn es gibt durchaus auch „kniefreundliche“ Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen, die sich dadurch auszeichnen, dass sich das Gewicht des Körpers nicht auf die Knie auswirkt. Wichtig ist vor allem, die Beinmuskulatur zu trainieren. Zu diesem Zweck sind gezielte Übungen zu empfehlen, die sich am besten bei einem Krankengymnasten erlernen lassen. Diese Übungen sollten zwar anstrengend sein, dürfen aber niemals Schmerzen auslösen. Es kommt vor allem darauf an, dass Sie ein „richtiges“ Körpergefühl dafür entwickeln, welches Ausmaß an Anstrengung Ihnen zuträglich ist. Denn der Urlaub, den Ihr Knie verdient hat, sollte immer zugleich erholsam und aktiv sein. Achten Sie bei bestimmten Bewegungsabläufen darauf, dass der Druck auf die Kniegelenke weitgehend abgefangen wird. Das fängt beim Hinsetzen oder Aufstehen an. Wenn Sie sich mit gebeugten Knien aufrichten oder niederlassen, werden Sie möglicherweise einen gewissen Belastungsschmerz verspüren. Stützen Sie sich daher beim Aufstehen oder Setzen lieber mit den Armen ab. Auch das Niederknien auf den Boden und das anschließende Wiederaufrichten können Sie sich deutlich erleichtern, indem Sie sich mit einer Hand auf dem gesunden Knie und mit der anderen Hand auf einem Gegenstand abstützen. Vorsicht ist geboten vor einer zu starken Kniebeugung. Denn je mehr das Kniegelenk gebeugt wird, desto höher ist der Druck an den Gelenkflächen von Kniescheibe und Oberschenkelrolle. Man sollte daher nicht im Fersensitz knien oder in der Hocke sitzen. Günstiger ist es, mit einem Bein zu hocken und mit dem anderen auf einem weichen Polster zu knien.
Auch die Arthroskopie bringt Linderung
Manchmal sind die Schmerzen bereits sehr stark, obwohl im Röntgenbild oder auch bei der Kernspintomographie (MRT) noch gar keine besonders großen Schäden sichtbar werden. Dann kann eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) mit gleichzeitiger Gelenkspülung sinnvoll sein, um die feinen Ansammlungen von Knorpelpartikeln und Entzündungsmediatoren auszuschwemmen. Oft wird aber gerade während einer Arthroskopie erst das richtige Ausmaß der Schäden sichtbar. Häufig sind eine raue Oberfläche bzw. Einklemmungen durch größere abgelöste Knorpel-, häufig auch Meniskusteile für die Schmerzen verantwortlich. Dann kann während der gleichen Sitzung mit einem so genannten Shaver eine Knorpelglättung bzw. eine Trimmung vorstehender Meniskusteile vorgenommen werden.
von Klaus Bingler
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