Gelenkrheuma aus ORTHOpress

Gelenkrheuma aus ORTHOpress

Keine Angst vor Wind und Wetter

Beweglichkeit trotz Nässe und Kälte

Winterzeit – Leidenszeit? Nässe und Frost, eisiger, schneidender Wind, Schneeregen und höchstens ab und zu ein paar Sonnenstrahlen ohne Saft und Kraft – allein der Gedanke an die unfreundlichsten Monate des Jahres jagt manchem bereits im Sommer kalte Schauder des Entsetzens über den Rücken. Vor allem Menschen, die unter Erkrankungen des Bewegungsapparats leiden, befürchten das Allerschlimmste. Ihre größte Sorge ist, dass sich ihre Schmerzen durch das „ungesunde“ Wetter noch weiter verstärken. Da bleibt mancher am liebsten zu Hause im Warmen und vermeidet jeden überflüssigen Schritt. Spazierengehen, Walken oder Radfahren? Nein, danke. Da wartet man doch besser, bis die Tage wieder schöner werden. So plausibel diese Überlegung bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen mag, so falsch ist sie aus medizinischer Sicht. Denn auch kranke Gelenke brauchen Bewegung. Wer daher jede körperliche Betätigung meidet, verschlimmert seinen Zustand nur.

Dass sich das Wetter negativ auf das Wohlbefinden auswirken kann, dürfte, auch wenn es wissenschaftlich bislang noch nicht genau belegt ist, unbestritten sein. Besonders Rheumatiker machen die Erfahrung, dass ihre Schmerzen zunehmen, wenn die Witterung von warm zu kalt und umgekehrt wechselt. Außerdem kann Kälte die Beweglichkeit verschlechtern, indem sie die Muskulatur blockiert und daran hindert, sich richtig zu erwärmen. Häufig jedoch ist es vor allem der psychologische Faktor, der sich ungünstig auf den Krankheitsprozess auswirkt. Denn wenn Menschen mit Gelenkerkrankungen im Winter tatsächlich größere Beschwerden haben, hängt dies in vielen Fällen nicht mit dem Wetter als solchem zusammen, sondern mit einer negativen Einstellung, die sich aus einer jahreszeitlich bedingten dunklen, trüben Sichtweise speist. Das führt dazu, dass die allgemeine Motivation und der Drang, sich körperlich zu betätigen, deutlich nachlassen. Der dadurch bedingte Bewegungsmangel trägt zu einer Versteifung der Gelenke und einer Verminderung der Knochensubstanz bei. Zudem flüchten sich die Betroffenen häufig in eine stoische oder resignative Haltung. Diese Passivität begünstigt wiederum einen gefährlichen Kreislauf aus Schmerzen, Schmerzvermeidung und Schmerzverstärkung.
Viel Bewegung, wenig Belastung
Wie sollte man sich stattdessen verhalten? Die goldene Regel für Menschen mit Arthrose lautet: Möglichst viel bewegen, ohne übermäßig zu belasten. Denn Bewegung fördert den Knorpelstoffwechsel und schützt vor Verschleiß. Um auch in den kälteren Monaten fit zu bleiben, empfiehlt es sich, die folgenden Ratschläge zu beachten:

  • Machen Sie regelmäßige Herbst- oder Winterspaziergänge auf sicheren Wegen.
  • Unternehmen Sie Ski-Langlauf-Touren im klassischen Stil und wärmen Sie zuvor den Körper mit einfachen Übungen auf.
  • Vermeiden Sie Gelenkstress und achten Sie besonders an den Feiertagen darauf, sich nicht zu überanstrengen.
  • Achten Sie auch im Winter auf ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und verzichten Sie auf Schweinefleisch, welches in hoher Konzentration Arachidonsäure enthält und entzündungsfördernd wirkt.
  • Wenn Sie an einer fortgeschrittenen Arthrose leiden, benutzen Sie am besten einen Gehstock. So wird das Wandern bei Eis und Schnee sicherer und entspannter. Außerdem werden die Gelenke von einem Teil Ihres Gewichts entlastet.
  • Nutzen Sie Licht und Wärme, um der trüben Winterstimmung entgegenzuwirken. Halten Sie sich während der wenigen Sonnenstunden im Freien auf und besuchen Sie hin und wieder die Sauna.Denn der Wechsel zwischen Hitze und Kälte aktiviert entzündungshemmende und schmerzlindernde Stoffe.

Wie wirkt sich die Witterung auf Rheuma aus?
Dass sich Witterungseinflüsse auf die Befindlichkeit von Rheumatikern auswirken, ist allgemein bekannt. Die weit verbreitete Meinung, dass kalt und nass schlecht, warm und trocken dagegen gut sind, ist in dieser Form allerdings nicht zutreffend. Denn es ist nicht so sehr die Kälte, die dem Patienten zu schaffen macht, sondern die hohe Luftfeuchtigkeit in Hautnähe. Da die Luft bei hohen Temperaturen mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, ist Wärme grundsätzlich sogar ungünstig. Entscheidend ist jedoch, wie gut die Haut verdunsten kann. Dafür sind die Voraussetzungen im Sommer angesichts geringerer und leichterer Kleidung wiederum besser als im Winter. Andererseits kann Kälte während eines akuten Rheumaschubs – etwa in Form eines eineinhalb Minuten dauernden Aufenthalts in einer Kältekammer von minus 110 Grad – unter Umständen sogar hilfreich sein. Wie sich ein solcher Kälteschock tatsächlich auf die Gelenkzerstörung auswirkt, ist bislang jedoch noch nicht genau geklärt.
Regelmäßiger Sport entlastet Gelenke
Auch Menschen mit Gelenkrheuma sollten im Winter aktiv bleiben. Denn tägliche körperliche Bewegung unter dosierter Belastung ist neben der medikamentösen Behandlung der wichtigste Teil der Therapie. Regelmäßiger Sport hat einen positiven Einfluss auf die Muskulatur und die Koordination. Dadurch sinkt die unmittelbare Belastung der betroffenen Gelenke, was zu einer Verringerung der belastungsabhängigen Schmerzen führt. Zu den Sportarten, die bei rheumatoider Arthritis empfohlen werden, gehören:

  • Funktionstraining im Trockenen oder im warmen Wasser unter Anleitung eines Physiotherapeuten
  • Nordic Walking
  • Ski-Langlauf mit Anleitung
  • Radfahren
  • Schwimmen, besonders auf dem Rücken
  • Tai Chi, Qi Gong, Yoga (mit professioneller Betreuung)
  • Tanzen.

Ist die akute Entzündung erst einmal abgeklungen, ist es möglich, die Gelenke im Rahmen eines Fitnessprogramms auch stärker zu belasten. Wie aus einer neueren Studie hervorgeht, wirken sich muskuläre Aufbauprogramme unter professioneller Anleitung nicht negativ auf die Krankheitsaktivität aus.
Fit und motiviert durch die dunkle Jahreszeit
Welche Sportart oder Bewegungsform für den Einzelnen am ehesten in Frage kommt, sollte man gemeinsam mit einem Arzt seines Vertrauens besprechen. Das Angebot an Möglichkeiten ist so vielfältig, dass jeder Rheumatiker eine für ihn passende Betätigung finden dürfte, durch die sowohl seine Gelenkbeweglichkeit als auch seine Lebensfreude nachhaltig erhöht werden. Das ist eine gute Voraussetzung dafür, auch die dunkle Jahreszeit gut zu überstehen.
von Klaus Bingler

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