Endoprothetik aus ORTHOpress

Endoprothetik

Endoprothetik

Was leistet die Nachsorge?

Künstliche Ersatzgelenke (Endoprothesen) zählen seit Langem zu den Standards der medizinischen Versorgung und sind inzwischen fast so alltäglich wie Gebissprothesen oder Hörgeräte. Allein in Deutschland werden jährlich mehr als 150.000 künstliche Hüftgelenke und fast 100.000 künstliche Kniegelenke implantiert. Viele Menschen haben so die Möglichkeit, ein Leben ohne dauerhafte Schmerzen und starke Beeinträchtigungen ihrer Beweglichkeit zu führen. Wie bei kaum einer anderen Operationsform spielt die Nachbehandlung eine zentrale Rolle, um den langfristigen Erfolg des Eingriffs zu sichern. Schließlich geht es nicht zuletzt darum, der Endoprothese eine möglichst lange Haltbarkeit zu ermöglichen.

Die Implantation Ihres Ersatzgelenks wurde erfolgreich durchgeführt. Nun ist es Ihre Aufgabe, sich mit der neuen Endoprothese „anzufreunden“ und den richtigen Umgang mit ihr zu erlernen. Immerhin handelt es sich um einen „Fremdkörper“, an den sich zu gewöhnen Sie Zeit und auch Geduld benötigen werden. Eine wichtige Hilfe bei diesem Anpassungsprozess leistet die Physiotherapie, deren Anwendungen bereits am ersten Tag nach der Operation beginnen. Natürlich können die Fortschritte, die Sie erzielen, zunächst nur in sehr kleinen Schritten erfolgen. Denn da bei dem Eingriff Gelenkkapsel, Bänder und Haut durchtrennt wurden, das Gelenk also erheblich verletzt wurde, wird Ihr Körper anfangs so reagieren, dass er einen „Schongang“ einlegt, um sich zu schützen und die Regeneration sicherzustellen. Sie werden daher für eine gewisse Zeit in Ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sein. Da Sie andererseits so rasch wie möglich wieder fit werden wollen, entsteht eine gewisse Diskrepanz zwischen dem sinnvollen Bedürfnis nach Schonung und Ruhe und dem Bestreben, die Beweglichkeit so rasch wie möglich zu verbessern.
Starke Muskeln verbessern die Stabilität des Gelenks
Bei einer Hüft- oder Kniegelenksoperation dauert es in den meisten Fällen etwa eine Woche, bis Sie aus dem Krankenhaus entlassen und zur sogenannten Anschlussheilbehandlung in eine Reha-Klinik eingewiesen werden. Dort wird man Sie zunächst ausführlich über die Ziele und Methoden der Nachbehandlung informieren und in enger Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten und den Pflegekräften einen Therapieplan erstellen, der auf Ihre besonderen, individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Im Vordergrund steht das Ziel, die Beweglichkeit und Stabilität des betroffenen Körperteils zurückzugewinnen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Mus-kelaufbau. Da sich die Muskulatur in der Regel aufgrund einer zum Teil langjährigen Schonhaltung und der zusätzlich mit dem Klinikaufenthalt verbundenen Inaktivität erheblich zurückgebildet hat, besteht hier ein deutlicher Nachholbedarf. Um die Spannungsverhältnisse in den einzelnen Muskeln wieder in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen, müssen Muskelgruppen, die zu viel Spannung aufweisen, gelockert und solche mit zu wenig Spannung aktiviert werden. Darüber hinaus kommt es darauf an, die allgemeine Fitness durch Ausdauertraining zu erhöhen, um die Ermüdungsanfälligkeit zu verringern. Auch die Schulung der Körperwahrnehmung spielt eine wichtige Rolle.
Ohne Gehhilfen geht es zunächst nicht
Wenn Sie im Bereich der unteren Gliedmaßen operiert worden sind, steht vor allem das Ziel im Mittelpunkt, das richtige Gehen wieder zu erlernen. Hierzu bedarf es einer konsequenten Gang- und Koordinationsschulung. Um zu bestimmen, welche Gangart und welche Gehhilfen für Sie geeignet sind, muss die Belastbarkeit Ihres Gelenks definiert werden. Nur bei einer vollen Belastbarkeit dürfen Sie sich ohne Stützen fortbewegen. Dies dürfte in der Regel frühestens sechs Wochen nach der Operation möglich sein. Das ideale Hilfsmittel, mit dem man äußerst flexibel entsprechend dem jeweiligen Stand seiner Fähigkeiten arbeiten kann, sind Unterarmstützen. Abhängig vom Grad Ihrer Belastungsfähigkeit können Sie sie sowohl beim sogenannten Drei-, Vier- oder Zweipunktegang einsetzen. Beim Vierpunktegang wird das operierte Bein konsequent durch beide Armstützen unterstützt. Es wird jeweils eine Stütze nach vorn gestellt und danach das gegenüberliegende Bein aufgesetzt. Beim Zweipunktegang erfolgen diese beiden Vorgänge gleichzeitig. Weitere Gehhilfen sind Handstöcke oder Rollator.
Der Umgang mit Schmerzen lässt sich erlernen
Neben den rein medizinisch-therapeutischen Aspekten spielen auch psychologische und ergotherapeutische Fragen eine entscheidende Rolle. Von zentraler Bedeutung ist die Hilfe bei der Krankheitsbewältigung, insbesondere im Umgang mit Schmerzen und Ängsten. Außerdem sollten Sie lernen, das künstliche Gelenk in das Bild, das Sie von Ihrem eigenen Körper haben, zu integrieren. Daneben nehmen auch praktische Fragen einen wesentlichen Raum ein. So werden Sie in die Lage versetzt, bestimmte Körperfunktionen, die aufgrund Ihrer Erkrankung ausgefallen sind, zu kompensieren und Hilfsmittel für den Alltag sinnvoll einzusetzen. Darüber hinaus erhalten Sie Tipps und Ratschläge, wie Sie Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen den veränderten körperlichen Bedingungen anpassen können. In diesem Zusammenhang spielt auch die Frage eine Rolle, welche Sportarten Sie in Zukunft ausüben können.
Ein Freund, der wertvolle Hilfe leistet
Auch wenn Sie vielleicht nie mehr ganz so fit und unbeschwert sein werden wie vor Ihrer Erkrankung, so öffnet Ihnen Ihr Implantat auf jeden Fall neue Spielräume, um Ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Betrachten Sie Ihre Endoprothese einfach als einen Freund, der zwar unter Umständen nicht in allem so perfekt ist, wie Sie es sich wünschen, der Ihnen aber wertvolle Hilfe leistet, wenn Sie sich mit ihm arrangieren. Auf diese Weise wird es Ihnen gelingen, ein gutes Stück Lebensqualität zurückzugewinnen.
Klaus Bingler
Worauf müssen Sie sich in der Reha einstellen?
Setzen Sie sich nicht selbst unter Druck und entwickeln Sie eine möglichst entspannte und gelassene Haltung. Der Heilungsprozess lässt sich auch durch die beste und intensivste Therapie nicht gewaltsam verkürzen. Es ist auch nicht sehr hilfreich, wenn Sie sich ständig mit anderen Patienten vergleichen, die vermeintlich schnellere Fortschritte machen.
Es ist möglich, dass Sie nach der Operation eine Phase erhöhter Erschöpfbarkeit und Müdigkeit durchleben. Das kann vorübergehend zu einer Eintrübung Ihrer Stimmung führen. Je mehr sich Ihr Zustand bessert, desto mehr wird sich auch Ihre Gemütslage wieder stabilisieren.
Machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut, dass Sie möglicherweise für eine gewisse Zeit teilweise auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind. Haben Sie daher den Mut, im Bedarfsfall um Hilfe zu bitten.
Bei starken Schmerzen sollten Sie keine Bedenken haben, Schmerzmittel einzunehmen. Diese sind häufig ein unverzichtbares Hilfsmittel, um den Erfolg der Rehabilitation sicherzustellen.
Freuen Sie sich über jede Verbesserung, die Sie erzielen, auch wenn sie noch so klein ist, und ärgern Sie sich nicht über das, was Sie noch nicht können.
Tipps für Patienten mit künstlichem Hüft- oder Kniegelenk
Bewegen Sie sich bewusst und behutsam und unterlassen Sie Bewegungen, die Ihnen Ihr Arzt oder Physiotherapeut nicht „erlaubt“ hat.
Vermeiden Sie es, mehr als 15 bis 30 Minuten zu sitzen. Stehen Sie niemals länger auf derselben Stelle. Gehen und Liegen fördern den Heilungsprozess besser.
Benutzen Sie zunächst immer Ihre Gehhilfen. Ruhen Sie sich nach dem Gehen aus, indem Sie sich flach hinlegen und die Beine etwas erhöht lagern.
Steigen Sie Treppen nur im Schongang hinauf. Beim Hochgehen stellen Sie zuerst das nicht operierte Bein auf die nächsthöhere Stufe, das operierte Bein und die beiden Unterarmgehstützen folgen nach. Abwärts geht es in umgekehrter Reihenfolge: Zunächst setzen Sie die Stützen eine Stufe tiefer auf, dann das operierte und danach das gesunde Bein.
Achten Sie bitte beim Sitzen auf die richtige Sitzhöhe. Diese sollte sich immer mindestens auf der Höhe Ihrer Kniekehle befinden.
Wenn Sie an der Hüfte operiert worden sind, steigen Sie mit dem nicht operierten Bein zuerst ins Bett und mit dem operierten Bein heraus.

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