Der-Schlüsselbeinbruch aus ORTHOpress

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Schnell passiert und leicht geheilt?

Der Schlüsselbeinbruch

Das Schlüsselbein (Clavikula) ist ein etwa 12 bis 15 cm langer, leicht s-förmig gebogener Knochen, der auf dem Brustkorb liegt und das Brustbein mit dem Schulterblatt verbindet. Es ist Teil des Schultergürtels und wichtig für dessen Stabilität und die Funktion der Schulter. Aufgrund seiner ungeschützten, oberflächlichen Lage bricht der relativ dünne Knochen bei äußerer Gewalteinwirkung recht leicht und schnell. So wundert es nicht, dass der Bruch des Schlüsselbeins neben dem Bruch der handgelenksnahen Speiche (distale Radiusfraktur) zu den häufigsten Knochenbrüchen überhaupt gehört.

Ursache kann eine direkte oder indirekte Gewalteinwirkung sein. Direkte Verletzungen treten häufig auf bei kontaktbetonten Sportarten oder bei Verkehrsunfällen, z. B. bei Stürzen mit dem Motorrad oder dem Fahrrad. Indirekt wirkt die Kraft auf das Schlüsselbein, wenn man z. B. bei einem Sturz versucht, sich bei ausgestreckten Armen mit den Händen abzufangen. Bekannt ist auch eine typische Schlüsselbeinfraktur bei Neugeborenen, die auftreten kann, wenn die Passage durch den Geburtskanal zu eng ist. Solch ein Knochenbruch ist zum Glück sehr selten und heilt in aller Regel folgenlos aus. In den allermeisten Fällen bricht das Schlüsselbein an der dünn s-ten Stelle, das heißt in der Mitte. Brüche in der Nähe des Brustbeins oder der Schulter sind eher selten.
Oft reicht die Blickdiagnose
Die Symptome bei einem Schlüsselbeinbruch sind häufig unverkennbar. Neben den Schmerzen und der Schwellung weisen die charakteristische Schonhaltung, die die Patienten meistens einnehmen, und eine von außen sichtbare Stufenbildung im Verlauf des Knochens auf die richtige Diagnose hin. Die Haut ist fast immer unverletzt, offene Brüche sind die Ausnahme. Lässt sich eine Crepitatio, ein feines Reibegeräusch der Knochenenden, nachweisen, ist die Diagnose auch ohne Röntgenbild gesichert. Dieses wird man allerdings zur näheren Bestimmung des Bruches und vor allem zur Therapieplanung dennoch immer anfertigen lassen. Weitergehende bildgebende Untersuchungen wie CT oder MRT sind nur in Ausnahmefällen bei besonderen Fragestellungen erforderlich. Bei Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch sollte im Rahmen der Untersuchung auch immer geprüft werden, ob begleitende Gefäß- oder Nervenschäden aufgetreten sind. Auch Verletzungen benachbarter Organe (Lunge, Brustkorb, Wirbelsäule) sollten vorsichtshalber immer ausgeschlossen werden. In den meisten Fällen sind die Bruch enden nicht bzw. nur wenig verschoben und es liegen keine Begleitverletzungen vor, sodass die Behandlung der Schlüsselbeinfraktur konservativ erfolgen kann. Dafür wird ein Spezialverband, ein sogenannter Rucksackverband, angelegt. Damit werden die Schultern nach hinten gezogen und der Bruch stabilisiert. Erwachsene tragen den Rucksackverband für etwa drei bis sechs Wochen, Kinder für zwei bis vier Wochen. Dann sind die Knochenenden wieder zusammengewachsen und die Schulter kann wieder normal bewegt werden.
Manchmal muss es eine Operation sein
Manchmal verschieben sich aber die Bruchenden trotz Rucksackverband oder es bildet sich ein Falschgelenk (Pseudarthrose) an der Bruchstelle aus. In diesen Fällen sollte dann sekundär die operative Versorgung erfolgen. Primär operativ wird ein Schlüsselbeinbruch behandelt bei offenen Brüchen, bei Begleitverletzungen, stark verschobenen Bruchenden oder bei Brüchen am äußeren Ende des Knochens. Das gängige Verfahren zur operativen Behandlung ist die sogenannte Plattenosteosynthese, bei der die Bruchstelle mit einer Metallplatte überbrückt wird. Relativ neu ist die sogenannte Prevot-Nagelung, auch als TEN (Titanic elastic nail) bekannt. Bei dieser Methode wird von einem brustbeinnahen Hautschnitt ein Titan-Nagel in die Knochenhöhle eingebracht und bis zum seitlichen Schlüsselbeinende vorgeschoben. Das Tragen eines Rucksackverbandes ist nicht nötig, trotzdem kann frühzeitig eine krankengymnastische Behandlung durchgeführt werden. Nach 8 bis 12 (Nagel) bzw. 18 bis 24 (Platte) Monaten wird das eingebrachte Material wieder entfernt.
Sowohl nach der konservativen als auch nach der operativen Behandlung sind die funktionellen Ergebnisse in der Regel sehr gut. Da aber Operationen immer mit einem gewissen Risiko behaftet sind, bleibt die operative Korrektur der Schlüsselbeinfraktur Ausnahme und bedarf einer besonderen Indikation. Der Schlüsselbeinbruch ist nach wie vor die Domäne der konservativen Therapie.
Sigrid Eberle

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