Bänderdehnung-und-Bänderriss aus ORTHOpress

Bänderdehnung und Bänderriss aus ORTHOpress

Fuß aus der Balance

Bänderdehnung und Bänderriss

Die meisten Gelenke erhalten ihre Stabilität durch mehr oder weniger straffe Bänder, von denen sie ganz oder teilweise umgeben werden. Bei einer plötzlichen Bewegung des Gelenks, die das normale Maß wesentlich überschreitet, werden die Bänder stark gedehnt. Je nach Art der Gewalteinwirkung und Stellung des Gelenks kann das Band auch ein- bzw. abreißen. Die Übergänge zwischen Überdehnung und Bänderriss sind fließend und lassen sich oft klinisch bei der Untersuchung nicht auseinanderhalten.

Auch wenn eine Bänderdehnung prinzipiell an jedem Gelenk auftreten kann, gibt es doch ganz typische Konstellationen. Am häufigsten betroffen ist das obere Sprunggelenk. Es vergeht kaum ein Tag in Notfallambulanzen, an denen sich nicht mindestens ein Patient vorstellt, der bei alltäglichen oder sportlichen Aktivitäten mit dem Fuß umgeknickt ist. Aber auch Bänderdehnungen am Knie und an den Fingergelenken (Ballsportarten) sind nicht selten. Sowohl ein Bänderriss als auch eine Bänderdehnung sind sehr schmerzhafte Ereignisse. Aus dem Grad des Schmerzes kann übrigens nicht auf das Ausmaß der Bandschädigung geschlossen werden.
Was tun im Fall des Falles?
Unmittelbar nach dem Unfall sollte das Gelenk für einige Minuten komprimiert werden, um ein zu starkes Anschwellen zu verhindern. Dies geschieht am besten durch sofortigen Druck mit den Händen. Im Übrigen erfolgt die Erstversorgung nach der sogenannten PECH-Regel:

P = Pause, das heißt, das Gelenk ruhig stellen
E = Eis, das heißt, sofort kühlen, am besten mit kaltem Leitungswasser (Eis direkt auf der Haut ist zu kalt und schadet mehr, als es nutzt)
C = Compression
H = Hochlagern.

Bei Verdacht auf eine Bänderdehnung bzw. einen Bänderriss sollte immer ein Arzt konsultiert und eine Röntgenaufnahme veranlasst werden, um weitergehende Verletzungen auszuschließen. Vor allem bei älteren Menschen kommt es doch häufiger zu einem knöchernen Ausriss des Bandes. Bei Verdacht auf eine Bandverletzung im Knie kann eventuell ein MRT sinnvoll sein, um das ganze Ausmaß des Schadens beurteilen zu können.
Schutz und Stabilisierung als Therapie
Die Behandlung bei einer Bänderdehnung erfolgt konservativ. Das verletzte Gelenk sollte möglichst weiter bewegt, aber nicht belastet werden. Daher ist es ratsam, es mit entsprechenden Bandagen, Stützverbänden oder Kunststoffschienen zu stabilisieren. In der Regel verschwinden Schmerzen und Gelenkschwellung innerhalb von etwa zwei bis drei Wochen. Vor allem nach einer Bänderdehnung im Sprunggelenk kann es sinnvoll sein, mit physiotherapeutischer Unterstützung Koordination und Propriozeption zu trainieren, um das Zusammenspiel der Muskeln zu verbessern und ein erneutes Umknicken zu verhindern. Bei wiederholten Bänderdehnungen besteht die Gefahr, dass das Band ausleiert und sich ein sogenanntes Schlottergelenk ausbildet. In einem derartig instabilen Gelenk entwickelt sich sehr leicht ein vorzeitiger Verschleiß, also eine Arthrose mit all ihren Konsequenzen.
Operation nur in Ausnahmefällen
Bei einem Bänderriss wird das Gelenk meistens mit speziellen Bandagen oder Orthesen für mindestens sechs bis acht Wochen stabilisiert. Je nach Gelenkbeanspruchung kann aber auch eine primäre operative Versorgung des Risses sinnvoll sein. So wird man bei Leistungssportlern, Kreuzbandrissen im Knie oder einem sogenannten Skidaumen eher die operative Therapie bevorzugen. Auch wenn eine konservative Behandlung nicht den gewünschten Erfolg gezeigt hat, sollte das gerissene Band genäht werden. Um einem erneuten Bandschaden vorzubeugen, empfiehlt es sich bei Belastungen, z. B. sportlichen Aktivitäten, konsequent das Gelenk zu bandagieren oder mit einem Tapeverband zu schützen.
Sigrid Eberle

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